Wer es etwas gruseliger mag, dem kann ich "Wasser" von Vincent Voss ans Herz legen. Ich muss ja gestehen, ich bin eher wasserscheu und wenn ein Autor behauptet, Wasser hätte eine Seele, gruselt mich allein das schon. Aber auch sonst hat es Vincent Voss faustdick hinter den Ohren:
Ich hatte
Deutsch als Leistungskurs und habe mich eher wenig für Schule begeistern
können. In dem LK bekamen wir die Aufgabe, die Loreley frei zu interpretieren.
Ein Tag vorher hat mich dann im wahrsten Sinne die dunkle Muse geküsst. Wie
elektrisiert bin ich einer Idee nachgegangen und habe ein
Ein-Mann-Theater-Stück geschrieben. Am nächsten Tag sollte es im
Nachmittagsunterricht vor dem Kurs aufgeführt werden, ich habe die Jalousien
heruntergelassen, begonnen, beendet und es war absolute Stille in dem Raum, bis
auf eine Mitschülerin, die hemmungslos schluchzen musste. Daraufhin wurde ich
dann gefragt, ob ich das als Abirede bringen mochte und da ich damit die
Möglichkeit hatte, meinem verhassten Schuldirektor ein rohes Stück Fleisch vor
die Füße werfen zu können, habe ich natürlich zugesagt. Danach hatte ich einen
anderen Bezug zum geschriebenen Wort. Übrigens die Rede verwahre ich als
Original immer noch in einem Koffer. Es klebte ein Stück Fleisch zwischen den
Seiten, das von zwei Maden gefressen wurde. Man kann es an den Abdrücken noch gut
erkennen.
Buchtitel : Wasser
Genre/Zielgruppe Liebhaber von
Coming-of-Age-Geschichten, die sich gruseln mögen.
Deine Geschichte in wenigen Sätzen (unabhängig
vom Klappentext) Pünktlich zum Start in die Sommerferien setzt ein
hartnäckiger Regen in der norddeutschen Alsterniederung ein. Und mit ihm verschwindet ein Kind. Sash,
Mark, Dirk, Lucy und Paul machen sich auf Suche und stellen fest, dass in
zeitlichen Abständen immer wieder Kinder in der Großgemeinde verschwinden. Und
immer hat es geregnet. Und sie erkennen, dass die, von denen sie sich Hilfe erwarten,
ihre Feinde sind …
Was ist das Besondere an Deinem Buch? Warum
sollten die Leser gerade Dein Buch kaufen?
Wasser hat
Seele, finde ich. Neben der bedrohlichen Geschichte, die die Jugendlichen
erleben, geht es vor allem um Freundschaft. Und sehr viel ist aus meiner Jugend
in das Buch geflossen. Ich habe es mit Liebe geschrieben und musste am Ende
doch auch das ein oder andere Tränchen verdrücken …
Hast Du eine Lieblingsstelle in Deinem
Buch?
Ja. Es ist
eine Stelle, die auf der Kippe stand. Sie hatte eigentlich nichts mit der
eigentlichen Geschichte zu tun, zeigt aber, was Freundschaft ist. Für
Interessierte, die sich auf die Suchen machen wollen: Es kommen tote Ferkel
darin vor.
Wie bist Du zum Horror gekommen
Ich glaube,
ich wurde von mehreren Seiten aus angegriffen. Zum einen habe ich als Kind in
unserem Supermarkt die H.P. Francis Hörspiele entdeckt, dann wurde mir von
einem Freund ein John Sinclair Heftroman in die Hand gedrückt und ich habe auf
N3 die Gruselreihe entdeckt und Gruselfilme zu einer Zeit zu der ich nicht mehr
aufbleiben durfte auf meinem Schwarz-Weiß-Fernseher unter der Decke gesehen. Mit
14 habe ich eine Blinddarmentzündung bekommen und habe in den Sommerferien zwei
Wochen in einem Krankenhaus verbringen müssen. ES war dabei. 27 Jahre später
musste ich wieder in dasselbe Krankenhaus (ich arbeitete gerade an Wasser) und
habe mir deshalb ES mitgenommen. Was für ein Schock, als ich feststellte, dass
bei ES alle 27! Jahre das Böse nach Derry kommt. Das war wirklich magisch ….
In Deiner Vita habe ich gelesen, dass Dich
Deine Abirede zum Schreiben gebracht hat. Magst Du da mehr drüber erzählen?

Ich hab außerdem gelesen, dass Du zwei
Kinder hast und „normal“ berufstätig bist. Wie sieht Dein Schreiballtag aus?
Durchzähl.
Nein, es sind drei Kinder und ich arbeite auf einer halben Stelle. Ich schreibe
immer und überall, wo es geht, habe ein kleines Taschenbuch für Figuren, eines
für Ideen und ein großes, wo ich Geschichten schreibe. Wenn ich also unterwegs
bin, kann ich immer schreiben. Und zuhause, immer wenn es Zeitinseln dafür
gibt. Leider fällt es mir aber schwer, mich nach 20 Uhr aufzuraffen. Das
gelingt mir nur, wenn eine Deadline bedrohlich näher rückt.
Du gibst viele Lesungen, wie ich weiß. Was
reizt Dich daran? Viele Autoren sind ja der Ansicht, Lesungen bringen nichts,
da sie häufig schlecht besucht sind, ergo sehen sie kein Interesse beim Leser.
Wie siehst Du das?
Ich war
früher Frontmann der TerrorJazz-Band Treiber und wir haben norddeutschlandweit
getourt. Was wir da auf kleinen Bühnen erlebt haben, war zeitweise
unbeschreiblich. Und beim Lesen ist es ja ähnlich. Es ist dieses Kribbeln
woher, die Ungewissheit, ob man es schafft, die Zuhörer in seinen Bann zu
ziehen. Wenn man es dann schafft und ein begeistertes Publikum hat, dann ist
das für mich beinahe ausreichend Entlohnung, um es weiter zu machen. Ich mache
es ja auch für mich. Ich lerne ja mit jeder Lesung. Gerade, wie man sich
verhält, wenn da nur zwei, drei Leute sitzen. Wenn man das Gefühl nicht kennt
und da nicht durchgeht, dann würde mir etwas Entscheidendes zur
Charakterentwicklung fehlen. Kurzum: Es rockt!
Und jetzt
kommt das aber … Aber Veranstalter müssen irgendwie sehen, wie sie ihre
Künstler entlohnen. Denn da steckt ja auch eine Menge Arbeit dahinter. Sachen
wie, du bringst das Publikum mit, darfst da neben den Toiletten lesen, wir
machen gar keine Werbung und du bekommst keine Gage … die gehen einfach nicht!
Zum Abschluss ein paar Quickies:
Sekt oder Bier? Bier
Schokolade oder Gummibärchen? Beides
nicht.
Meer oder Berge? Tausche Schokolade und
Gummibärchen für noch mehr Meer.
Hund oder Katze? Katze
Captain America oder Iron Man? Freddy Krüger
Freddy Krüger? War ja klar! Vielen Dank, lieber Vincent. Seine Bücher sind genau das Richtige für trübe Herbst- und Winterabende. Also schnell noch vor Weihnachten zuschlagen. Es gibt sie bestimmt auch direkt bei ihm und dann mit Sicherheit mit gruseliger Widmung.
Freddy Krüger? War ja klar! Vielen Dank, lieber Vincent. Seine Bücher sind genau das Richtige für trübe Herbst- und Winterabende. Also schnell noch vor Weihnachten zuschlagen. Es gibt sie bestimmt auch direkt bei ihm und dann mit Sicherheit mit gruseliger Widmung.
Ich bin gespannt - mein Exemplar hat mich gestern erreicht.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße
Dein Lenchen