Donnerstag, 5. November 2015

Vincent Voss und sein gruseliges Wasser

Wer es etwas gruseliger mag, dem kann ich "Wasser" von Vincent Voss ans Herz legen. Ich muss ja gestehen, ich bin eher wasserscheu und wenn ein Autor behauptet, Wasser hätte eine Seele, gruselt mich allein das schon. Aber auch sonst hat es Vincent Voss faustdick hinter den Ohren:





Buchtitel : Wasser

Genre/Zielgruppe Liebhaber von Coming-of-Age-Geschichten, die sich gruseln mögen.

Deine Geschichte in wenigen Sätzen (unabhängig vom Klappentext) Pünktlich zum Start in die Sommerferien setzt ein hartnäckiger Regen in der norddeutschen Alsterniederung  ein. Und mit ihm verschwindet ein Kind. Sash, Mark, Dirk, Lucy und Paul machen sich auf Suche und stellen fest, dass in zeitlichen Abständen immer wieder Kinder in der Großgemeinde verschwinden. Und immer hat es geregnet. Und sie erkennen, dass die, von denen sie sich Hilfe erwarten, ihre Feinde sind …

Was ist das Besondere an Deinem Buch? Warum sollten die Leser gerade Dein Buch kaufen?
Wasser hat Seele, finde ich. Neben der bedrohlichen Geschichte, die die Jugendlichen erleben, geht es vor allem um Freundschaft. Und sehr viel ist aus meiner Jugend in das Buch geflossen. Ich habe es mit Liebe geschrieben und musste am Ende doch auch das ein oder andere Tränchen verdrücken …

Hast Du eine Lieblingsstelle in Deinem Buch?
Ja. Es ist eine Stelle, die auf der Kippe stand. Sie hatte eigentlich nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun, zeigt aber, was Freundschaft ist. Für Interessierte, die sich auf die Suchen machen wollen: Es kommen tote Ferkel darin vor.

Wie bist Du zum Horror gekommen
Ich glaube, ich wurde von mehreren Seiten aus angegriffen. Zum einen habe ich als Kind in unserem Supermarkt die H.P. Francis Hörspiele entdeckt, dann wurde mir von einem Freund ein John Sinclair Heftroman in die Hand gedrückt und ich habe auf N3 die Gruselreihe entdeckt und Gruselfilme zu einer Zeit zu der ich nicht mehr aufbleiben durfte auf meinem Schwarz-Weiß-Fernseher unter der Decke gesehen. Mit 14 habe ich eine Blinddarmentzündung bekommen und habe in den Sommerferien zwei Wochen in einem Krankenhaus verbringen müssen. ES war dabei. 27 Jahre später musste ich wieder in dasselbe Krankenhaus (ich arbeitete gerade an Wasser) und habe mir deshalb ES mitgenommen. Was für ein Schock, als ich feststellte, dass bei ES alle 27! Jahre das Böse nach Derry kommt. Das war wirklich magisch ….

In Deiner Vita habe ich gelesen, dass Dich Deine Abirede zum Schreiben gebracht hat. Magst Du da mehr drüber erzählen?
Ich hatte Deutsch als Leistungskurs und habe mich eher wenig für Schule begeistern können. In dem LK bekamen wir die Aufgabe, die Loreley frei zu interpretieren. Ein Tag vorher hat mich dann im wahrsten Sinne die dunkle Muse geküsst. Wie elektrisiert bin ich einer Idee nachgegangen und habe ein Ein-Mann-Theater-Stück geschrieben. Am nächsten Tag sollte es im Nachmittagsunterricht vor dem Kurs aufgeführt werden, ich habe die Jalousien heruntergelassen, begonnen, beendet und es war absolute Stille in dem Raum, bis auf eine Mitschülerin, die hemmungslos schluchzen musste. Daraufhin wurde ich dann gefragt, ob ich das als Abirede bringen mochte und da ich damit die Möglichkeit hatte, meinem verhassten Schuldirektor ein rohes Stück Fleisch vor die Füße werfen zu können, habe ich natürlich zugesagt. Danach hatte ich einen anderen Bezug zum geschriebenen Wort. Übrigens die Rede verwahre ich als Original immer noch in einem Koffer. Es klebte ein Stück Fleisch zwischen den Seiten, das von zwei Maden gefressen wurde.  Man kann es an den Abdrücken noch gut erkennen.

Ich hab außerdem gelesen, dass Du zwei Kinder hast und „normal“ berufstätig bist. Wie sieht Dein Schreiballtag aus?
Durchzähl. Nein, es sind drei Kinder und ich arbeite auf einer halben Stelle. Ich schreibe immer und überall, wo es geht, habe ein kleines Taschenbuch für Figuren, eines für Ideen und ein großes, wo ich Geschichten schreibe. Wenn ich also unterwegs bin, kann ich immer schreiben. Und zuhause, immer wenn es Zeitinseln dafür gibt. Leider fällt es mir aber schwer, mich nach 20 Uhr aufzuraffen. Das gelingt mir nur, wenn eine Deadline bedrohlich näher rückt.

Du gibst viele Lesungen, wie ich weiß. Was reizt Dich daran? Viele Autoren sind ja der Ansicht, Lesungen bringen nichts, da sie häufig schlecht besucht sind, ergo sehen sie kein Interesse beim Leser. Wie siehst Du das?
Ich war früher Frontmann der TerrorJazz-Band Treiber und wir haben norddeutschlandweit getourt. Was wir da auf kleinen Bühnen erlebt haben, war zeitweise unbeschreiblich. Und beim Lesen ist es ja ähnlich. Es ist dieses Kribbeln woher, die Ungewissheit, ob man es schafft, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Wenn man es dann schafft und ein begeistertes Publikum hat, dann ist das für mich beinahe ausreichend Entlohnung, um es weiter zu machen. Ich mache es ja auch für mich. Ich lerne ja mit jeder Lesung. Gerade, wie man sich verhält, wenn da nur zwei, drei Leute sitzen. Wenn man das Gefühl nicht kennt und da nicht durchgeht, dann würde mir etwas Entscheidendes zur Charakterentwicklung fehlen. Kurzum: Es rockt!
Und jetzt kommt das aber … Aber Veranstalter müssen irgendwie sehen, wie sie ihre Künstler entlohnen. Denn da steckt ja auch eine Menge Arbeit dahinter. Sachen wie, du bringst das Publikum mit, darfst da neben den Toiletten lesen, wir machen gar keine Werbung und du bekommst keine Gage … die gehen einfach nicht!  


Zum Abschluss ein paar Quickies:
Sekt oder Bier? Bier
Schokolade oder Gummibärchen? Beides nicht.
Meer oder Berge? Tausche Schokolade und Gummibärchen für noch mehr Meer.
Hund oder Katze? Katze
Captain America oder Iron Man? Freddy Krüger

Freddy Krüger? War ja klar! Vielen Dank, lieber Vincent. Seine Bücher sind genau das Richtige für trübe Herbst- und Winterabende. Also schnell noch vor Weihnachten zuschlagen. Es gibt sie bestimmt auch direkt bei ihm und dann mit Sicherheit mit gruseliger Widmung.
 

1 Kommentar:

  1. Ich bin gespannt - mein Exemplar hat mich gestern erreicht.

    Herzliche Grüße

    Dein Lenchen

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für die Nachricht. Sie wird nach Überprüfung freigeschaltet.