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Exklusive Leseprobe aus "Deadmoon"

Bald ist es so weit! Mein erster Roman, den ich selbst herausbringe: "Deadmoon"! Als Leser meines Newsletter seid ihr die ersten, die in diesen Roman hineinlesen können. 

Exklusive kostenlose Leseprobe:

1. Sonntag - Kurz vor Sonnenuntergang

Der kahlköpfige Constable verschränkte die Arme über dem ausladenden Bauch und sah mich mit hochgezogener Braue an. Er wirkte wie ein Mann, der bereits alles gesehen hatte und den nichts mehr überraschen konnte. Der jüngere Kollege stand mit grimmigem Gesicht in der Tür und füllte den Rahmen fast vollständig aus. Er hatte die Beine gespreizt und hielt die Hände neben dem Gürtel, in dem Schlagstock und Dienstwaffe steckten. Wie ein Cowboy, der sich zum Duell aufgestellt hatte. Sein Blick war abweisend, beinahe feindselig, wofür es meiner Meinung nach keinen Grund gab. Tapfer verdrängte ich die Panik, die mich überkommen wollte, seit die beiden hereingekommen waren. Es konnte sich nur um ein Missverständnis handeln.
»Ich war das nicht!«
Der Hausmeister schnaubte. »Diese Blutsaugerin lügt. Sie hat ihren Freier getötet.«
»Was?«, rief ich. »Also, hören Sie mal, ich bin doch keine … und das ist auch nicht mein, äh, … Freier. Was erlauben Sie sich eigentlich!«
Offenbar teilte der ungepflegte Portier meine Empörung nicht, denn er funkelte mich siegessicher an, als wäre der Fall für ihn bereits geklärt. »Trotzdem ist er tot.«
»Ich war das nicht«, wiederholte ich, obwohl ich mir nicht hundertprozentig sicher war.
Ich hatte keine Ahnung, wo ich mich befand, wie ich dorthin gelangt und was vergangene Nacht passiert war – geschweige denn, warum zum Kuckuck ein nackter Toter im Bett hinter mir lag! Blankes Entsetzen hatte mich nach dem Aufwachen gepackt und ich hoffte noch immer, dass alles nur ein Scherz war. Ein ziemlich misslungener, zugegebenermaßen. Sicherlich würde sich alles schnell aufklären und ich konnte nach Hause gehen.
»Sonst war ja keiner hier«, sagte der Hausmeister, der mir zusehends unsympathischer wurde. »Ich hab euch selbst die Schlüssel gegeben. Dir und diesem unschuldigen jungen Mann. Eine Schande ist das! Verfluchte Blutsauger.«
»Nun hören Sie schon auf, mich immer so zu nennen!«, blaffte ich ihn an, auch wenn so ein Benehmen sonst nicht meine Art war.
Mit einem unguten Gefühl blickte ich dem dicklichen Polizisten hinterher. Er hatte eine fachmännisch teilnahmslose Miene aufgesetzt und inspizierte erst das Zimmer mit dem abgenutzten Achtzigerjahre Mobiliar und danach das angrenzende Badezimmer. Was er da zu finden hoffte, erschloss sich mir nicht. Der Hausmeister sah ihm ebenfalls nach, wohingegen der Cowboy mich mit blassblauen Augen fixierte. Auch er hielt mich für schuldig. Ich räusperte mich und versuchte ein Lächeln, obwohl ich mich schrecklich fühlte und mich am liebsten verkrochen hätte. Ich sollte einen Mann umgebracht haben? Ausgerechnet ich? Allein bei der Vorstellung zog sich mein Magen schmerzhaft zusammen. Ein Kunststück, da er sich seit Erscheinen der drei bereits wie ein riesiger Klumpen Eis anfühlte.
»Ich war auf meinem Junggesellinnenabschied. Ich werde nämlich nächste Woche heiraten, wissen Sie, Constable … äh …. Ich bin weder eine … eine Prostituierte, noch eine Mörderin.«
Der Hausmeister in dem speckigen Unterhemd schnaubte. Ich warf ihm einen bösen Blick zu. Der dicke Polizist kam zurück. Er hatte sich ein paar Chirurgenhandschuhe angezogen und lüftete die Bettdecke, unter der der nackte Mann lag, den ich noch nie zuvor gesehen hatte.
»Lassen Sie uns nachsehen ... Mir scheint, als wäre der Gute friedlich einge­schlafen. Ich kann keine Spuren eines Kampfes erkennen und auch keine äußerliche Gewalteinwirkung. Ah, aber hier sind mehrere bereits verheilte und frische Biss­wunden.« Er richtete sich behäbig auf und zog das Laken mit einem Ruck ganz fort. »Oh, und da sogar noch mehr.«
Er wies zwischen die Beine des Nackten, und ich sog erschrocken die Luft ein.
»Sie denken doch nicht, dass ich das war?«
»Wer denn sonst?« Er erschien mir recht umgänglich, vor allem im Gegensatz zu seinem Clint-Eastwood-Kollegen im Türrahmen. Dennoch schien auch er keinen Zweifel daran zu hegen, dass ich diesen Mann umgebracht hatte. Ich hatte gleich geahnt, dass der Abend böse enden würde, den die verrückte Paige für mich geplant hatte. Ich, Melissa Connor, Tochter aus gutem Hause, der Vater Bürgermeister, der Bruder Priester, hatte Geschlechtsverkehr mit einem Wildfremden und wurde nun beschuldigt, ihn getötet zu haben! Was schlichtweg unmöglich war! Ich verabscheute Gewalt und kannte den Kerl nicht einmal!
»Das ist ja wohl Ihre Aufgabe, das herauszufinden, und nicht meine«, erwiderte ich. »Niemals würde ich einen Fremden dort unten … also … Nein, ich kann das nicht gewesen sein!«
Der dicke Ordnungshüter musterte mich mit gerunzelter Stirn. »Dann hatten Sie einen Komplizen? Wer war es?«
»Ich hatte auch keinen Komplizen! Hören Sie, Constable, hier muss ein Missverständnis vorliegen«, erklärte ich und bemühte mich, ruhiger zu sprechen. »Ich bin keine Prostituierte. Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, wie ich hierher gekommen bin. Ich war mit ein paar Freundinnen in einem Stripclub. Es war ein Scherz, den sich meine Freundin ausgedacht hat, weil ich so verklemmt bin.« Ich sah den drei Männern an, dass sie mir kein Wort glaubten, und zog nervös den Saum des Kleides hinunter.
Auch das hatte Paige ohne meine Zustimmung für mich ausgesucht. Es war knallrot, zu kurz, zu eng und viel zu tief dekolletiert. Sprich: eine Katastrophe. So wie die ganze Unternehmung.
»Anscheinend war ich dann doch betrunkener, als ich gedacht hatte«, sagte ich. »Wie auch immer, als ich aufwachte, lag dieser Mann ausgezogen neben mir. Wir haben wohl in der vergangenen Nacht … äh … Ich habe ihn auf keinen Fall umgebracht!«
»Aber Sie sind ein Vampir?«
Ich erstarrte und fuhr ertappt mit der Zunge über meine neu gewachsenen Vampirzähne. Auch die Erkenntnis war, gelinde gesagt, ein Schock gewesen, als ich vor wenigen Minuten wie aus einem Dornröschenschlaf aufgewacht war. Am Abend! Ich hatte also den ganzen Tag verschlafen. Einfach so. Das war, bevor dieser vermaledeite Hausmeister die Polizei gerufen und mich dann in diesem Zimmer eingesperrt hatte.
»Ja … also …«, ich räusperte mich, »so scheint es wohl.« Ich lachte nervös und fuhr mir erneut über die spitzen Zähne in meinem Mund. Fast hätte ich mich an ihnen geschnitten. War das zu fassen?
Die Männer musterten mich noch immer feindselig.
»Tja, also. Was das angeht, geht der Punkt wohl an Sie, Constable. Aber auch daran kann ich mich nicht erinnern! Ich schwöre Ihnen, dass es gestern noch nicht so war.«
»Der Mann ist tot und weist unzählige Bissspuren eines Vampirs auf«, fasste der bisher so nett wirkende Constable ungeduldig zusammen. »Und Sie, Miss …?«
»Co … Collins. Lisa Collins.«
Der Dicke zückte sein Notizbuch und schrieb den Namen hinein. Beinahe hätte ich meinen richtigen genannt, aber ich hatte so ein Gefühl, das besser nicht zu tun. Immerhin war mein Vater Bürgermeister und bekennender Vampirgegner. Nicht auszudenken, wenn die Presse von der Sache Wind bekam!
»Sie waren laut den Aussagen des Hotelangestellen Mister Sherman die ganze Nacht mit dem Opfer zusammen. Und Sie sind ein Vampir.« Er sah mich erwartungsvoll an.
»Hier treiben sich bestimmt andere herum, die mir das anhängen wollen.«
»Warum sollte jemand das tun?«
»Was weiß ich denn! Vielleicht, damit ich sie nicht verpetze. Immerhin hat mich irgendwer gegen meinen Willen verwandelt.«
Nahm ich zumindest an. Ich hatte mich nicht von dem Schock erholen können, und dass diese Polizisten mich zur Schuldigen machen wollten, machte mich nervös. Ich litt an einem sehr empfindlichen Verdauungstrakt und bemühte mich für gewöhnlich, Stress zu vermeiden. Deshalb ging ich mehrmals die Woche zum Yoga. Für mein inneres Gleichgewicht, obwohl mir Sport eher zuwider war. Mein Magen krampfte sich zusammen.
»Aber Sie können sich doch an nichts erinnern, wie Sie uns mehrfach versicherten, Miss Collins. Also auch nicht an ihn oder sie. Oder daran, ob Sie der Verwandlung zugestimmt haben.«
»Nun hören Sie mal! Niemals hätte ich dem hier zugestimmt!« Ich bleckte die Zähne und wies mit einem spitzen Finger darauf.
Es war eine Katastrophe, und dieser schwerfällige Polizist machte alles nur noch schlimmer! Er sah mich einen Moment mit einem sonderbaren Blick an und zog dann ganz langsam ein Paar silberne Handschellen aus seinem Gürtel.
»Sie sind verhaftet«, sagte er.
Gleichzeitig kam Bewegung in Clint Eastwood. Er stellte sich zur Unterstützung neben den Dicken und sah mich an, als wäre ich ein gefährlicher Schwerverbrecher, dem er nur zu gern eine Kugel verpassen würde.
»Hören Sie, Constable, das ist alles ein Missverständnis.« Ich sah die beiden Ordnungshüter nacheinander eindringlich an. »Ich war das nicht, glauben Sie mir. Warum vergessen Sie nicht einfach, dass Sie mich gesehen haben, und suchen den wahren Mörder?«
Die Polizisten runzelten die Stirn. Dann steckte der Dicke die Handschellen weg.
»Da haben Sie vollkommen recht, Miss«, sagte er und tippte sich an seine Mütze. »Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Abmarsch, Wilkes!«
Er stieß dem größeren Kollegen den Ellenbogen in die Seite und schob ihn zur Tür. Sie verschwanden ohne eine Erklärung und nahmen den schmierigen Hausmeister mit, der ihnen das Gästebuch zeigen sollte. Verwirrt sah ich den Dreien hinterher.





"Deadmoon"

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