Sonntag, 3. Juli 2016

Buchtipp: Henning Mützlitz und seine "Wächter"

Bald werde ich meinen ersten Roman im Papierverzierer Verlag veröffentlichen und aus diesem Anlass will ich euch vorab ein paar Papierverzierer-Kollegen vorstellen. Darunter auch Henning Müritz mit seinem "Wächter der letzten Pforte", der mehr ist als ein einfacher High-Fantasy-Roman. Mit diesem Gemeinschaftsprojekt ist eine ganz neue Welt entstanden, in der zukünftig auch noch andere Autoren ihre Helden agieren lassen werden. Eine spannende Sache!



Buchtitel
Wächter der letzten Pforte

Genre/Zielgruppe
High-Fantasy  / Erwachsene, Fans von Autoren wie Raymond Feist, David Gemmell, George R.R. Martin

Deine Geschichte in wenigen Sätzen
„Wächter der letzten Pforte“ beginnt mit einer Katastrophe: Die Heere der verfeindeten Valdorer und Tequari werden durch eine unbekannte magische Macht vernichtet. Einzig die Kriegerin Moriana und der Knappe Liocas überleben. Die Todfeinde müssen Hass und Vorurteile überwinden, um gemeinsam den wahren Hintergründen des Massakers auf die Spur zu kommen. Ihre Nachforschungen führen sie in das benachbarte Reich Amhas. Dort erfahren sie, wer tatsächlich hinter den Machenschaften und blutigen Konflikten auf dem Kontinent Camotea steckt. Gejagt von geheimnisvollen Magiern und den Inquisitoren des valdorischen Königs müssen sie eine Allianz schmieden, von der die Zukunft des Welt Caldris abhängt.

Du hast diesen Roman zusammen mit Christian Kopp geschrieben. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit? War es manchmal schwierig, auf einen Nenner zu kommen? Oder gibt es dazu eine lustige Anekdote?
Lustigerweise ist das tatsächlich eine der ersten Fragen, die uns immer gestellt wird – anderen Autoren, die gemeinsam ein Buch veröffentlichen, geht es da sicherlich ähnlich. Die Zusammenarbeit zwischen uns gestaltet sich insgesamt ziemlich reibungslos, da wir uns bereits seit der Schulzeit kennen und wissen, wir wir schreiben und allgemein „ticken“. 2008 haben wir bereits gemeinsam einen Roman für die Romanreihe zum Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ veröffentlicht, und waren bei der Entwicklung der „Wächter“ schon ein eingespieltes Team. Die Arbeitsorganisation orientierte sich dabei an einem gemeinsam entwickelten Grundplot, der in einen Kapitel- und Szenenplan adaptiert wurde, so dass jeder wusste, welche Teile er zu schreiben hatte. Die individuell erstellten Rohtexte wanderten dann mehrmals zwischen uns hin und her, so dass am Ende ein Konglomerat entstand, mit dem beide zufrieden waren. Der Vorteil dabei ist, dass man sich gegenseitig unterstützen und neue Ideen einbringen kann, wenn einer mal nicht weiter weiß oder bestimmte Textpassagen noch für „zu dünn“ hält. Andererseits muss man natürlich Eitelkeiten beiseite legen, wenn der andere Dinge korrigieren/ändern möchte. Dabei gab es allerdings selten Diskussionen oder gar Streit. Bei uns hat diese Zusammenarbeit also super funktioniert, in anderen Konstellationen kann das aber auch ins Gegenteil umschlagen.

Der Roman ist ja eine High-Fantasy-Geschichte, das heißt, dass Du Dir oder besser: ihr euch dafür eine komplett neue Welt ausgedacht habt. Erzähl uns doch ein bisschen mehr darüber.
Nach der Arbeit für „Das Schwarze Auge“ war uns immer klar, dass wir eine eigene Fantasy-Welt entwerfen möchten, in der wir keinen inhaltlichen Beschränkungen unterliegen. Wir wussten von Anfang an ungefähr, wo wir damit hin möchten: Eine an der frühen Neuzeit orientierte Welt mit verschiedenartigen menschlichen Kulturen ohne klassische Fantasy-Völker wie Elfen, Zwerge oder Orks. Wenn man also die beiden Pole Tolkien und Martin gegenüberstellen würde, befänden wir uns deutlich näher an Martin (ohne uns jedoch mit ihm vergleichen zu wollen).
Das bedeutet natürlich auch, dass man solch eine Welt erst einmal entwickeln muss, bevor man in ihr eine Geschichte erzählen kann. Dieses World-Building nahm eine lange Zeit in Anspruch, da uns daran gelegen war, die Welt Caldris bzw. den Kontinent Camotea, auf dem der Roman spielt, möglichst umfangreich und vor allem glaubwürdig zu entwickeln. Neben der Geographie, den Reichen und Völkern standen dabei Konzepte für die Kosmologie des Doppelsternensystems, in dem sich die Welt Caldris bewegt, die daraus resultierenden Religionen und Geschichtsschreibungen, verschiedene Herrschafts- und Wirtschaftssysteme sowie darauf aufbauend Überlegungen zu gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten der drei Kernreiche, in denen die Handlung angesiedelt ist, im Vordergrund. Da sich Camotea in einem religiösen und technologischen Umbruch befindet, musste dabei definiert werden, warum sich bestehende Herrschaftsverhältnisse verändern und welche Richtung in diesem quasi reformatorischen Zeitalter eingeschlagen wird. Auch der Aspekt des Phantastischen musste definiert werden: Wie viel Fantasy darf es denn sein? Natürlich gibt es auch bei uns Magie und Übernatürliches, allerdings äußert sich das subtiler und nicht überall gleich. Während in Amhas z.B. Magie und Technomantie auf der Grundlage magischer Steine an der Tagesordnung sind, und z.B. Luftschiffe, Aufzüge und allerlei technische Gerätschaften antreiben, wacht die Inquisition in Valdora streng über das traditionelle Magieverbot, im Zuge dessen Magieanwender als Ketzer gerichtet werden.

Werden auch noch andere Romane von Dir dort spielen?
Wir bauen die Welt derzeit weiter aus und möchten gerne weitere und neue Leser dafür gewinnen: Derzeit entstehen aufbauend auf dem Roman die „Wächter-Chroniken“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen zweiten Band, sondern um eine Sammlung von Novellen und Kurzgeschichten, die in der Welt der „Wächter“ spielen.  Diese werden zunächst einzeln als Ebook erscheinen und im Herbst in einem gedruckten Sammelband veröffentlicht. Jede der Geschichten schildert einen anderen Aspekt des epischen Konflikts, der auf Caldris tobt, und kann als Startpunkt für die Leser dienen, in die Welt der „Wächter“ aufzubrechen. Man muss also nicht den Roman gelesen haben, sondern kann zum Beispiel erst einmal mit einer Novelle hineinschnuppern, und davon ausgehend weitere Geschichten in beliebiger Reihenfolge oder den Roman lesen.  Das Spannende daran ist, dass die „Wächter-Chroniken“ von insgesamt 11 Autor/innen (darunter u.a. Judith und Christian Vogt, Stefan Schweikert, Christian Lange und Carmen Capiti) verfasst wurden, so dass unserer Welt viele spannende neue Aspekte und Herangehensweisen hinzugefügt wurden. Für Leser des Romans wird dabei ein schöner Mehrwert geboten, denn es tauchen viele Romanfiguren wieder auf, und man erfährt Vieles zu den Hintergründen, die in „Wächter der letzten Pforte“ nur Stück für Stück ans Tageslicht kommen.

Skizze der Weltkarte
Wer hat die tolle Karte im Buch für euch gezeichnet? Habt ihr vorher für euch selbst Skizzen angefertigt, um einen besseren Überblick zu behalten?
Die Karte im Buch stammt von Stefanie Messing. Im Laufe der Entstehung des Romans sind eine Reihe Skizzen entstanden, die mir jedoch leider bei einem Einbruch in mein Auto gestohlen wurden – gerade jetzt bei der Entstehung der „Wächter-Chroniken“ trauere ich ihnen wieder sehr nach. Die finale Skizze, auf deren Grundlage die Weltkarte gezeichnet wurde, haben wir aber noch.

Hast Du eine Lieblingsstelle?
Puh, das ist schwierig. Bei einem derart umfangreichen Buch habe ich natürlich eine ganze Menge Lieblingsstellen, die aber oft nur im Kontext Sinn machen. Generell mag ich besonders die Sticheleien zwischen unseren Protagonisten Moriana und Liocas, die sich durch das ganze Buch ziehen und die Entwicklung ihrer Beziehung von Todfeinden hin zu einem beinahe geschwisterlichen Verhältnis begleiten. Hier mal eine Passage aus dem ersten Drittel des Romans, die das Ganze recht anschaulich macht: 
Moriana beschloss, den ersten Schritt zu wagen und auf den Valdorer zuzugehen, um die Situation zu entspannen. Ewiger Streit brachte sie nicht weiter. »Wie ist eigentlich dein Name? Ich will dich nicht immer nur Bastard oder Hurensohn nennen.«»Mein Name ist Liocas. Liocas von Marmadon«, antwortete er nach einem Augenblick.»Ah, ein Mann edlen Geblüts«, spöttelte sie und ärgerte sich sofort über die neuerliche Spitze, die sie dem jungen Mann hatte zuteilwerden lassen.Doch Liocas ging nicht darauf ein. Er hatte seine Nachdenklichkeit ebenso schnell abgeschüttelt, wie sie gekommen war. »Und wie heißt du?«»Du darfst mich Moriana nennen. Mit von und zu kann ich dir leider nicht dienen, Val… Liocas von Marmadon.«»Das ist kein Tequari-Name. Es ist ein Name aus der alten imperialen Sprache von Tân«, stellte er verwundert fest. »Hat das was damit zu tun, dass du unsere Sprache sprichst?«»Nein, hat es nicht! Und dem letzten, der sich über meinen Namen lustig gemacht hat, hab ich die Nase gebrochen«, zischte Moriana. »Jetzt erzähl mir lieber, was du vorhin mit Dingen gemeint hast.«
»Also gut. Wie ich schon sagte, es war kein Zufall, dass Urias ausgerechnet uns beide verschont hat. Stattdessen hat er uns auserwählt, ihm zu dienen.«»Woher willst du das wissen? Bist du so 'ne Art Priester, oder woher kennst du den Willen deines komischen Gottes?«

Magst Du uns ein bisschen mehr über Dich persönlich erzählen? Was machst Du neben dem Schreiben? Was sind Deine Hobbys? Was treibt Dich an? Was kannst Du überhaupt nicht leiden? Womit kann man Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern?
Ich bin freiberuflicher Journalist und Autor. Redaktionell betreue ich mehrere Zeitschriften, darunter z.B. das Genre-Magazin „Geek!“, das sich vielen Aspekten der Phantastik in allen Medienformen widmet. Letztlich hängen alle meine beruflichen Tätigkeiten mit dem Schreiben zusammen, und letztlich kann ich sagen, dass ich meine Hobbys zum Beruf gemacht habe. Früher habe ich Romane und Pen&Paper-Rollenspiele nur gelesen bzw. gespielt, jetzt habe ich die Möglichkeit, diese selber zu erschaffen und andere für meine Welten und Geschichten zu begeistern. Was mich antreibt? Ich möchte natürlich, dass möglichst viele Menschen meine Bücher lesen, und dass man diese überall kaufen kann. Wenn ich irgendwo in Deutschland in einen Buchladen gehe, und dort liegen meine Bücher aus – das zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht! :-)
Henning Mützlitz

Hast Du ein Lebensmotto?
Ich kann nicht behaupten, dass ich ein konkretes Lebensmotto hätte, dass ich bei jeder Gelegenheit zücke und als Überschrift für all mein Tun verwende. Ketten zu sprengen, die einem das persönliche Umfeld anlegt, und den Weg zur Selbstverwirklichung auch gegen Widerstände und nach Enttäuschungen zu beschreiten, ist die Prämisse, der ich folge.

Warum High Fantasy?
High Fantasy war schon immer das Genre, das mich am meisten begeistert und das am meisten Faszination auf mich ausgeübt hat. Seit der Jugend habe ich vor allem Romane in diesem Bereich gelesen, vor allem Autoren wie Raymond Feist und David Eddings haben mich sehr geprägt. Heute sind es u.a. Joe Abercrombie, Patrick Rothfuss oder Scott Lynch, die mich begeistern. Daneben haben Christian und ich uns jahrzehntelang gedanklich in Aventurien, Mittelerde und anderen Rollenspielwelten herumgetrieben, da war klar, dass wir irgendwann unseren eigenen, großen High-Fantasy-Roman schreiben wollen.

Wie bist Du an den Papierverzierer Verlag gekommen? Hast Du viele Verlage angeschrieben?
Ursprünglich sollten die „Wächter“ bei einem großen Publikumsverlag erscheinen, was sich jedoch in letzter Sekunde zerschlagen hatte. Danach lagen sie länger in der Schublade, und erst, als ich auf dem BuCon 2013 auf den ersten Phönix-Band von Ann-Kathrin Karschnick und damit den Papierverzierer-Verlag aufmerksam wurde, haben wir beschlossen, dass die „Wächter“ dort gut aufgehoben wären. Wir haben uns sehr gefreut, dass Verleger Schemajah Schuppmann angetan von dem Projekt war und wir zusammen ein richtig geiles, fettes Buch daraus gemacht haben.

Wie gehst Du mit Absagen um und was empfiehlst Du anderen Autoren, die z.B. noch ganz am Anfang stehen?
Absagen sind immer doof, das geht wohl jedem Autor so. Absagen sind allerdings der Normalfall und sollten nicht als persönliche Beleidigung aufgefasst werden. Frustrierend ist es immer, wenn man im Prozess schon weit gediehen war, und sich ein großer Verlag zum Beispiel erst in der letzten Lektorenrunde gegen das Projekt entscheidet, meist aus programmatischen Überlegungen. Das ist mir schon mehrfach passiert, und dann kann man sich nach Monaten des Hoffen und Bangens schonmal fragen, ob es das alles wert ist. Bei mir hat sich allerdings nach den ersten Enttäuschungen ein „Jetzt erst recht!“ eingestellt, und letztlich hat es sich für mich gelohnt, über die Jahre hinweg dran zu bleiben, stetig an seinem Handwerk zu arbeiten, es immer und immer wieder zu versuchen, bis es klappt. Das wäre auch das, was ich jungen/neuen Autor/innen raten würde – frei nach Oliver Kahn: Weitermachen, immer weitermachen!

Was kann man noch von Dir lesen oder was wird man demnächst von Dir lesen können?
Im vergangenen Herbst ist bei Emons mein erster Historischer Roman „Im Schatten der Hanse“ erschienen, dazu erscheint im Oktober der Nachfolger „Lübecker Rache“. Daneben kommen jetzt beim Papierverzierer Verlag nach und nach die bereits erwähnten „Wächter-Chroniken“, die mit meiner Novelle „Die Königin von Mesoth“ starten werden. Daneben stehen Beiträge zu Anthologien und Rollenspielpublikationen an. Was ich sonst alles noch so mache bzw. schon gemacht habe, erfährt man auf meiner Webseite oder Facebook-Autorenseite (s.u.).

Autorenseite, Blog, Facebook, Amazon, Lovelybooks o.ä.

Vielen Dank, lieber Henning, für das schöne Interview und die tieferen Einblicke in die "Wächter"-Welt. Es lohnt sich auf jeden Fall, Henning Mützlitz im Auge zu behalten. Was meint ihr?

Eure
Sandra

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