Dienstag, 25. August 2015

Autorinnen und Familie Teil 4

Im vierten Teil meiner großen Interview-Reihe "Autorinnen und Familie" kommen Jessie Weber und Demetia Cornfield zu Wort. Jessie Weber hat gerade ihren ersten Roman veröffentlicht und nutzt konsequent die sehr frühen Morgenstunden zum Schreiben. Demetia Cornfield hingegen steht mit drei Kindern allein da und ruft Paare dazu auf, sich trotz allem Zeit für sich zu nehmen. Auch wenn keiner von beiden Autor ist. Ein ernst zu nehmender Rat, wie ich finde.


Hallo, Jessie Weber, wie viele Kinder hast Du?
1

Wie alt sind sie?
Schon groß, 16 Jahre. Zum Glück! Wenn er jünger wäre, würde er denken, sein Name sei „Ja gleich“ oder „Jetzt nicht“ oder „Ich muss erst noch die Szene beenden“  ;-)

Hast Du noch einen Brotjob neben Familie und Autorinnendasein? Wenn ja: Voll- oder Teilzeit?
2 x Teilzeit = Vollzeit + jede Menge Fahrerei


Schreibt Dein Partner auch oder hat ähnlich kreative und zeitfressende Hobbies?
Nö. Der ist zurzeit zufrieden mit Arbeiten und Relaxen.

Wie schwer ist es, das Schreiben in Deinen Familien-Alltag zu integrieren?
Es ist schon schwer, die Familie in den Arbeits-Alltag zu integrieren. Das Schreiben kam lange viel zu kurz – bis ich meine ideale Zeit dafür gefunden habe: Ich stehe jetzt gegen 5.30 Uhr auf und gehe direkt an den PC, auch am Wochenende. Obwohl – da kann es mal 6.30 Uhr werden, man muss ja auch mal ausschlafen! ;-) Um die Zeit will jedenfalls weder Familie noch Job irgendetwas von mir. Dafür bin ich abends leider ziemlich fertig.

Wie viel Zeit hast Du an einem normalen Tag zum Schreiben?
In der Woche ca. 2 Stunden morgens. Am Wochenende, je nach Planung und Schlafbedürfnis des Partners auch mal länger.

Bleiben manchmal Dinge auf der Strecke, damit Du schreiben kannst? (Freunde, Haushalt, Einkaufen, Familienausflüge, etc.)
Jep. In der Reihenfolge ;-)

Wie findet es Dein Partner, dass/wenn Du schreibst? Ist er eher genervt davon oder hat er Verständnis und unterstützt Dich?
Er hat auf jeden Fall Verständnis und ist sehr tolerant. Trotzdem mag ich das nicht bis zum Letzten ausreizen und bemühe mich, Zeit für ihn zu haben.

Meiner Erfahrung nach ist es in der heutigen Gesellschaft immer noch so, dass die Leute die Mütter bei ihren Kindern sehen und Mütter, die häufig ihren eigenen Interessen nachgehen, eher mit Naserümpfen betrachtet werden. Wie reagiert Dein Umfeld darauf, dass Du keine Fulltime-Mutti bist, die sich ausschließlich den Kindern widmet? Musst Du Dich da manchmal rechtfertigen?
Ich erzähle nicht jedem, was ich so mache - dass das jetzt mit der Veröffentlichung anders werden muss, ist mir klar. Mal sehen, ob dann Reaktionen kommen. Bisher war das nicht der Fall.

Die Frage nach der Wichtigkeit stellt sich nicht, wie ich finde. Würdest Du das Schreiben zu Gunsten der Familie aufgeben oder hast Du vielleicht sogar schon eine längere Pause gemacht, um Dich mehr der Familie widmen zu können?
Längere Pausen kamen eher daher, dass ich jobmäßig in den letzten Jahren immer mehr gemacht habe und mich daran nach einer längeren Zeit als Vollzeitmama gewöhnen musste. Ganz aufgeben würde ich das Schreiben nie! Dann wäre ich unausstehlich und niemandem geholfen.
Was möchtest Du den Partner/innen von Autorinnen gern sagen/mit auf den Weg geben?
Nehmt es nicht persönlich, wenn Eure Partnerin manchmal (oder auch länger) in anderen Welten verweilt. Das hat mit Euch nichts zu tun! Wenn eine Geschichte aus dem Kopf will, kann man sie unmöglich aufhalten.


Seit wann schreibst Du und wie viel hast Du schon veröffentlicht?
Ich schreibe „schon immer“, wie wohl die meisten Autoren. Der Weg bis zur Veröffentlichung war allerdings lang – was hauptsächlich an mangelndem Selbstvertrauen lag ;-)

Mein erster Roman „Töchter der Tide“ erschien am 07.08.2015 als E-Book bei Forever by Ullstein.

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Weiter geht es mit Demetria Cornfield.

Wie viele Kinder hast Du?
Ich habe 3 Kinder

Wie alt sind sie?
Das Mädchen ist 9, der mittlere Bub ist 11 und der älteste ist 21.


Hast Du noch einen Brotjob neben Familie und Autorinnendasein? Wenn ja: Voll- oder Teilzeit?
Ich arbeite Teilzeit in einer Online-Agentur

Schreibt Dein Partner auch oder hat ähnlich kreative und zeitfressende Hobbies?
Mein ehemaliger Partner ist im Vertrieb tätig und war oft gar nicht zu Hause. Wenn er da war, ging er gerne zum Wandern, da sind wir oft mit.

Wie schwer ist es, das Schreiben in Deinen Familien-Alltag zu integrieren?
Es ist sehr schwer, da die Kinder (natürlich zu recht), ihre Aufmerksamkeit fordern. Hausaufgaben kontrollieren, auf Schulproben lernen, Vokabeln pauken. Gemeinsame Plauder- und Spielzeiten, kuscheln, Vorlesen. Der Älteste möchte vom Studium erzählen oder von Dingen, die einem jungen Menschen so bewegt … Dann noch der Haushalt und Garten, das fordert schon.

Wie viel Zeit hast Du an einem normalen Tag zum Schreiben?
Ich schreibe, wenn die kleineren Kinder im Bett sind, meistens sind das so ca. 2 Stunden, oft aber auch nur eine Stunde, weil ich dann müde bin und selbst gegen 22:00 ins Bett gehe.

Bleiben manchmal Dinge auf der Strecke, damit Du schreiben kannst? (Freunde, Haushalt, Einkaufen, Familienausflüge, etc.)
Ich habe nicht viele Freunde, meine beste Freundin wohnt mit im Haus, aber auch sie sehe ich nur alle paar Wochen. Das liegt aber nicht am Schreiben, sondern daran, dass ich allgemein erst ab 21:00 Uhr etwas Zeit habe. Wenn wir uns sehen, bleibt das Schreiben natürlich auf der Strecke, aber so ist es nun Mal. Meine meisten Freundschaften sind „online“. Manchmal lasse ich das Schreiben auch ausfallen, wenn ich ins Kino will z.B. Früher kam ich an den Wochenendenden gar nicht zum Schreiben, aber da ich nun getrennt bin, sind die Kinder alle zwei Wochenenden bei deren Vater. Da habe ich dann Luft.

Wie findet es Dein Partner, dass/wenn Du schreibst? Ist er eher genervt davon oder hat er Verständnis und unterstützt Dich?
Mein ehemaliger Partner hatte mich sehr unterstützt, hat oft alleine mit den Kindern etwas unternommen, damit ich Zeit hatte. Auch haben wir gemeinsam viele Szenen besprochen und auf Plot-Holes untersucht. Letztendlich ist es doch irgendwie an allem gescheitert. Er bestreitet zwar, dass das an meiner Schreiberei lag, aber, naja. Unsere Beziehung blieb doch irgendwie auf der Strecke, wir hatten zu wenig gemeinsame Zeit ohne Kinder, wie ich jetzt feststellen muss.

Meiner Erfahrung nach ist es in der heutigen Gesellschaft immer noch so, dass die Leute die Mütter bei ihren Kindern sehen und Mütter, die häufig ihren eigenen Interessen nachgehen, eher mit Naserümpfen betrachtet werden. Wie reagiert Dein Umfeld darauf, dass Du keine Fulltime-Mutti bist, die sich ausschließlich den Kindern widmet? Musst Du Dich da manchmal rechtfertigen?
Nein, gar nicht, zumindest hat man mich da noch nicht gefragt. Ich habe immer gerne gearbeitet, und als die Kinder kamen und wir eine größere Wohnung brauchten, war es klar, dass ich weiterhin meinen finanziellen Beitrag leisten werde. Es hätte auch gar nicht gereicht, wenn mein Partner alleine verdient hätte. Meine Nachbarn sehen das Schreiben auch gar nicht als Hobby von mir an, sondern als eine weitere Möglichkeit für mich, Geld zu verdienen.

Die Frage nach der Wichtigkeit stellt sich nicht, wie ich finde. Würdest Du das Schreiben zu Gunsten der Familie aufgeben oder hast Du vielleicht sogar schon eine längere Pause gemacht, um Dich mehr der Familie widmen zu können?
Als die Kinder im Krabbelalter waren, war es gar nicht möglich, viel am Stück zu schreiben. Da habe ich tatsächlich drei Jahre pausiert. Als ich dann wieder damit anfing, war mein Partner tatsächlich irritiert, weil er dachte, ich hätte es aufgegeben, und malen wäre nun mein Hobby. Aber das habe ich eigentlich nur gemacht, weil ein Bild schneller fertig ist, als ein Roman J

Was möchtest Du den Partner/innen von Autorinnen gern sagen/mit auf den Weg geben?
Seid geduldig, steht zu eurer Frau und unterstützt sie. Holt sie auch ab und zu sanft in die Realität zurück und macht euch einen schönen Abend ohne Kinder. Oft ist die Autorin so in einer anderen Welt, dass sie alles um sich herum vergisst. Da dürft ihr nicht böse werden, denn der Alltag ist für sie stressig genug. Liebt sie, seid stolz auf sie – letztendlich ist sie ja immer für alle da, nur manchmal halt nur körperlich anwesend J

Seit wann schreibst Du und wie viel hast Du schon veröffentlicht?
Ich schreibe seit meiner Kindheit, nur für mich, aber 2014 Jahr habe ich mir endlich ein Herz genommen und bei der Ausschreibung zu einer Anthologie teilgenommen – und wurde genommen. Seit dem habe ich selbst einen Roman und eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht. Momentan schreibe ich a meinem zweiten Roman.

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