Freitag, 14. August 2015

Autorinnen und Familie - Teil 3

Im dritten Teil meiner großen Umfrage zum Thema "Autorinnen und Familie - geht das?" haben zwei  Frauen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen meine Fragen beantwortet: Melissa David, Selbstverlegerin und berufstätig, erzählt von ihrem Haushalt und anderen Katastrophen und Christa Kuczinski, Verlagskollegin und Mutter zweier erwachsener Kinder, erzählt von ihrer "Taktik":


Melissa, wie viele Kinder hast Du?
2

Wie alt sind sie?
1,5 Jahre und fast 4 Jahre

Hast Du noch einen Brotjob neben Familie und Autorinnendasein? Wenn ja: Voll- oder Teilzeit?
Ich arbeite Teilzeit mit 25 Stunden.

Schreibt Dein Partner auch oder hat ähnlich kreative und zeitfressende Hobbies?
Mein Mann schreibt nicht, ist dafür aber musikalisch unterwegs, was auch sehr zeitfressend sein kann.

Wie schwer ist es, das Schreiben in Deinen Familien-Alltag zu integrieren?
An manchen Tagen funktioniert es ganz gut, dann ist es wieder tagelang die reinste Katastrophe.

Wie viel Zeit hast Du an einem normalen Tag zum Schreiben?
Montag u. Dienstag arbeite ich Vollzeit. Da bin ich dann meist so fertig, dass ich nach E-mailsabrufen und das nötigste lesen den Laptop wieder zuklappe.
Die restlichen Tage habe ich in der Regel 2 Stunden. Wochenende ist immer unterschiedlich. Je nachdem, was ansteht.

Bleiben manchmal Dinge auf der Strecke, damit Du schreiben kannst? (Freunde, Haushalt, Einkaufen, Familienausflüge, etc.)
Definitiv. Meist der Haushalt ;-)

Wie findet Dein Partner es, dass/wenn Du schreibst? Ist er eher genervt davon oder hat er Verständnis und unterstützt Dich?
Ich erfahre sehr viel Unterstützung. Mein Mann nimmt des öfteren genervt den Staubsauber zu Hand oder bringt den Müll raus (wie gerade im Moment). Aber manchmal nervt es ihn auch. Gerade, als ich kurz vor der Veröffentlichung stand, da saß ich wirklich jede Sekunde am Computer, weil noch so viel gemacht werden muss.

Meiner Erfahrung nach ist es in der heutigen Gesellschaft immer noch so, dass die Leute die Mütter bei ihren Kindern sehen und Mütter, die häufig ihren eigenen Interessen nachgehen, eher mit Naserümpfen betrachtet werden. Wie reagiert Dein Umfeld darauf, dass Du keine Fulltime-Mutti bist, die sich ausschließlich den Kindern widmet? Musst Du Dich da manchmal rechtfertigen?
Meine Eltern sind selbstständig und meine Mama hat immer gearbeitet. Bei mir in der Familie war es nie ein Thema. Ich bin auch schon wieder ein paar Stunden arbeiten gegangen, als mein Kleiner 2,5 Monate war. Einfach ins Tragetuch gebunden und mitgeschleppt. Ich kann nicht nur zu Hause herumsitzen, da gehe ich ein. Und dann klappt das mit dem Schreiben auch nicht mehr, weil mein Kopf zu leer ist. Ich brauche den Input von außen.
Bei meinen Schwiegereltern war es da schon etwas schwieriger. Sie sind etliche Jahre älter, als meine Eltern, inzwischen beide in Rente. Meine Schwiegermutter hat nach der Hochzeit aufgehört zu arbeiten. Erst ein paar Jahre später kam das erste Kind. Ehrenamtlich hat sie sehr viel gemacht, aber so richtig gearbeitet nie wieder. Da war es mit dem Verständnis dann schon viel schwerer. Aber glücklicherweise lassen sie uns das machen, wie wir es wollen.

Die Frage nach der Wichtigkeit stellt sich nicht, wie ich finde. Würdest Du das Schreiben zu Gunsten der Familie aufgeben oder hast Du vielleicht sogar schon eine längere Pause gemacht, um Dich mehr der Familie widmen zu können?
In beiden Schwangerschaften konnte ich nicht schreiben, obwohl ich die Hälfte der Schwangerschaften auf dem Sofa verbracht habe (vorzeitige Wehen). Aber da war so viel anderes im Kopf, dass das mit dem Schreiben einfach nicht geklappt hat.
Derzeit würde ich gerne etwas weniger Arbeiten (Brotjob), um mehr Zeit für die Familie zu haben. Schreiben zu reduzieren kann ich mir derzeit nicht vorstellen.

Was möchtest Du den Partner/innen von Autorinnen gern sagen/mit auf den Weg geben?
Unterstützt eure Frauen. Wir brauchen das Schreiben, wie die Luft zum atmen.

Seit wann schreibst Du und wie viel hast Du schon veröffentlicht?
Veröffentlicht habe ich zum ersten Mal im Mai 2015. Bisher erschienen ist von meiner Vampirreihe »Kruento – Heimatlos« (Novelle) und »Kruento – Der Anführer« (Band 1). Letzteres Buch wird in absehbarer Zeit als Print erscheinen.
 »Kruento – Der Diplomat« (Band 2) folgt hoffentlich noch im Herbst.

Links zu Dir:
Weiter geht es mit Christa Kuczinski, die viel Unterstützung durch ihren Mann hat, aber auch sagt, dass man bereit sein muss, Kompromisse zu schließen.

Christa, wie viele Kinder hast Du?
Zwei Jungs
Wie alt sind sie?
18 und 21 Jahre
Hast Du noch einen Brotjob neben Familie und Autorinnendasein? Wenn ja: Voll- oder Teilzeit?
Nein, ich gehöre wohl der aussterbenden Spezies „nur“ Hausfrau und Mutter an. 
Schreibt Dein Partner/in auch oder hat ähnlich kreative und zeitfressende Hobbies?
Nein, glücklicherweise nicht. Ansonsten würden wir uns vermutlich ins Gehege kommen.
Wie schwer ist es, das Schreiben in Deinen Familien-Alltag zu integrieren?
Überhaupt nicht. Früher schrieb ich, wenn die Kinder am Vormittag in der Schule waren, heute schreibe ich noch immer gern um diese Uhrzeit. Ansonsten gern über den Tag/Abend verteilt.
Wie viel Zeit hast Du an einem normalen Tag zum Schreiben?
Fünf Stunden sind immer drin, allerdings nutze ich sie selten ausschließlich zum Schreiben/Planen.  Familie, Freunde, ein großes Haus mit Garten und drei Fellnasen, da kommt an einem Tag Einiges zusammen.  
Bleiben manchmal Dinge auf der Strecke, damit Du schreiben kannst? (Freunde, Haushalt, Einkaufen, Familienausflüge, etc.)
Wenn ich mit der Nase in meinem Text stecke, definitiv. Aber das ist mein Umfeld gewöhnt und trifft eigenständig Vorsichtsmaßnahmen. Pizza – Service oder Unternehmungen planen, die ich im Zustand der Trance eher befürworte,  als es normalerweise der Fall wäre. Meine Familie ist sehr erfindungsreich.  
Wie findet Dein Partner/Partnerin es, dass/wenn Du schreibst? Ist er/sie eher genervt davon oder hat er Verständnis und unterstützt Dich?
Mein Mann unterstützt mich, seit ich, vor Jahren,  beschlossen habe einen (oder mehrere) Roman/e zu schreiben.  Wenn ich einmal schlechte Laune versprühe (was selten vorkommt ) sieht unser Dialog ungefähr so aus: „Du bist aber mies drauf!“ - „Heute ist nicht mein Tag, meine Woche, mein Monat …“ - „Dann geh besser schreiben.“  Diese Taktik funktioniert meistens.* 
Meiner Erfahrung nach ist es in der heutigen Gesellschaft immer noch so, dass die Leute die Mütter bei ihren Kindern sehen und Mütter, die häufig ihren eigenen Interessen nachgehen, eher mit Naserümpfen betrachtet werden. Wie reagiert Dein Umfeld darauf, dass Du keine Fulltime-Mutti bist, die sich ausschließlich den Kindern widmet? Musst Du Dich da manchmal rechtfertigen?
Bisher hat mich noch niemand darauf angesprochen. Ich vermute, das wird auch nicht passieren, da meine Söhne inzwischen erwachsen sind.  Autorin zu sein, schließt eine Karriere als Fulltime-Mutti hinzulegen nicht aus. Beides kann sich wundervoll ergänzen.

Die Frage nach der Wichtigkeit stellt sich nicht, wie ich finde. Würdest Du das Schreiben zu Gunsten der Familie aufgeben oder hast Du vielleicht sogar schon eine längere Pause gemacht, um Dich mehr der Familie widmen zu können?
Sagen wir es einmal so: Ich bin seit vielen Jahren verheiratet und habe Kinder. In diesem Fall würde ich natürlich meine Familie vorziehen. Sie steht für mich an erster Stelle.
Wäre ich Single und ungebunden und mein Partner würde nicht damit klarkommen, dass ich schreibe, würde er vermutlich den Kürzeren ziehen.
Was möchtest Du den Partner/innen von Autorinnen gern sagen/mit auf den Weg geben?
Das ist eine schwierige Frage, die sich auf die Schnelle wohl nicht beantworten lässt. Jeder Mensch ist anders und setzt eigene Prioritäten. Allerdings sollte hinterfragt werden, warum das Schreiben des Partners, ihm/ihr ein Dorn im Auge ist und welche Kompromisse, auf beiden Seiten, möglich wären. 
 
Seit wann schreibst Du und wie viel hast Du schon veröffentlicht?
Ich schreibe seit acht Jahren. Bisher habe ich eine Trilogie unter Vertrag. Der erste Teil ist veröffentlicht, der zweite Teil folgt im September dieses Jahres.

Links zu Dir:


Alle vorangegangen und noch folgenden Interviews zu diesem Thema findest Du auch bei den Autorentipps.

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