Dienstag, 19. März 2013

Kein Ende in Sicht?

Warum ist es so schwer, eine Geschichte zu Ende zu bringen? 
Nachdem ich bei Michael Modler über die Bemerkung gestolpert bin, dass
"der größte Erfolg des Schreibens (ist) nicht die Veröffentlichung, sondern die Fertigstellung eines Manuskriptes" (Zitat Michael Modler, Ebooks-Autoren)
ist, denke ich darüber nach. 

Ich schreibe gerade an einem Projekt, das ich auf ca. 250 Normseiten ausgelegt hatte. Einfach mal, um zu gucken, ob ich es schaffe, mich an diese Vorgabe zu halten. Es ist nicht besonders viel, wenn ich an den Umfang meiner Dorian-und-Louisa-Serie denke, bei dem der Rohentwurf von Band 1 bereits über 700 Seiten umfasste (Normseiten wohlgemerkt!).  

Dennoch tat ich mich mit dem Projekt, das ich hier einfach mal Manuskript 1 nenne (eine kleine Leseprobe hatte ich ja bereits eingestellt), verdammt schwer. 
Ich habe lange über die Handlung nachgedacht, über die einzelnen Protagonisten, über den Ort und die Zeit des Geschehens. Dann habe ich darüber nachgedacht, aus welcher Perspektive ich schreiben möchte. Bei meiner Serie um Dorian und Louisa habe ich aus drei verschiedenen Perspektiven geschrieben - aus seiner, ihrer und die ihrer Gegenspieler. Das verlieh der Geschichte mehr Tiefgang, und ich konnte den Spannungsbogen die ganze Zeit aufrecht erhalten.
Dieses Mal wollte ich etwas anderes ausprobieren. Ich habe zwei Ansätze gebraucht und wählte dann die Perspektive der Hauptfigur als auktorialen Ich-Erzähler.

Ein grober Handlungverlauf lag also vor, als ich mich ans Schreiben machte. Dennoch wurde ich mit der Hauptfigur einfach nicht warm. Immer wieder habe ich mich über ihren Charakterbogen gesetzt, ihn weiter ausgefeilt, aber es änderte nichts. 

Und so ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass ich mich dann mit Freuden einer anderen Idee widmete, die sowieso schon seit Wochen in meinem Hinterstübchen vor sich hinreifte. Auch dort stand der Plot, die Hauptfiguren und deren Hintergründe und Beziehungen zueinander. Einzelne Szenen hatte ich bereits im Kopf, mehrere nebeneinander verlaufende Erzählstränge waren schon in Kapitel unterteilt, der rote Faden im Kopf und auf Notizzetteln gesponnen. Hier habe ich nur einen kleinen Charakterzug meiner Hauptfigur verändern müssen - und schon sprudelten die Ideen, und ich konnte (und musste!) loslegen. Es war wie bei Dorian und Louisa, wo ich mich in alle drei Perspektiven mühelos hineinversetzen konnte. 

Doch warum ist mir das bei Manuskript 1 nicht gelungen? Lag es wirklich daran, dass ich eine Hauptfigur kreiert hatte, die mir plötzlich unsympathisch war? Geht das überhaupt? Ich habe mehrere Figuren in Manuskript 1, die ich gerne für andere Geschichten weiter verwenden würde, doch nicht so die Hauptfigur.  

Und was mache ich jetzt mit diesem Manuskript? Schnell fertig schreiben und dann ad acta legen? Oder komplett überarbeiten, um es vernünftig zu Ende zu bringen? 
Der Schlüssel ist wahrscheinlich, mich mit meiner Hauptfigur anzufreunden. Sie hat ihr Abenteuer fast überstanden, es steht nur noch der finale Höhepunkt bevor - und nun lass ich sie fallen? Das ist herzlos, oder nicht? Genau aus diesem Grund werde ich mich nochmal eingehend mit meiner Hauptfigur beschäftigen, ihr mehr Tiefe verleihen, damit sie ihr Abenteuer auch zu Ende erleben kann. Ich werde berichten, ob es mir gelungen ist.

Drückt mir die Daumen, dass ich bald weißen Rauch für dieses Manuskript aufsteigen lassen kann.

Eure Sandra


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